BildWelten

Ein Auge fällt vom Stuhl
und setzt sich ins Dreieck.

Das Dreieck sagt: „Ich war einmal ein Kreis“
und lacht sich in Streifen.

Grün wächst aus einer Erinnerung,
die keine Schuhe trägt,
während ein Tier mit drei Gedanken
durch eine Wand aus Blau pfeift.

X küsst Herz
und beide vergessen ihre Namen.

Ein Kopf ohne gestern
trägt ein Fenster im Bauch
— darin:
eine Hand, die sich selbst übermalt
und flüstert: noch einmal anders.

Die Linien streiten sich,
werden dick,
werden dünn,
werden plötzlich verschwunden.

Ein Gesicht zerlegt sich höflich
in sieben Möglichkeiten
und keine davon bleibt sitzen.

Dort hinten:
ein Kreis rollt bergauf
und behauptet, er sei ein Geheimnis.

Papier träumt von Farbe,
Farbe träumt von Riss,
der Riss träumt von einem Anfang,
der nie begonnen hat.

Und alles ruft durcheinander:

„Mehr Unordnung, bitte!“

Doch die Stille
klebt sich ein Auge auf
und sieht
zum ersten Mal daneben.

 

 

In meinen Bildern tauchen organische, skulpturale und anthropomorphe Formen auf, ohne sich zu einer klaren Figur zu verbinden. Diese gebrochenen Motive formieren sich zu BildWelten, die durch Andeutungen statt durch fest umrissene Konturen bestimmt sind. Das Fragment wird zur kleinsten Einheit dieser Welt: Alles scheint in Zwischenzuständen zu existieren, provisorisch, tastend. Indem das Bild keine vollständigen Figuren anbietet, zeigt es zugleich ein WeltBild, das Brüche, Komplexität und Unfertigkeit anerkennt. Das Bild deutet an, dass Wirklichkeit nicht als einheitlicher, abgeschlossener Körper zu verstehen ist, sondern als Gefüge aus Fragmenten – Erinnerungen, Eindrücken, Wahrnehmungsstücken.

 

 

 

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