Die Arbeiten der Serie „Kosmos der Zeichen“ bewegen sich in einem Zwischenraum von Malerei, Collage, Zeichnung und Bildarchäologie. Sie gehen von der Einsicht aus, dass wir die Welt niemals unmittelbar erfahren, sondern immer durch Zeichen, Bilder, Symbole und kulturelle Codes vermittelt. Was wir „Wirklichkeit“ nennen, erscheint hier als ein Gewebe aus Fragmenten, Spuren und Bildpartikeln, die sich fortwährend neu verbinden.
In den Collagen und Gemälden begegnen sich unterschiedlichste Bildwelten: Fragmente der Kunstgeschichte, fotografische Fundstücke, cartoonhafte Figuren, archaische Masken, abstrakte Formen, ornamentale Strukturen und spontane malerische Gesten. Nichts bleibt dabei in seinem ursprünglichen Zusammenhang. Die Elemente werden aus ihren Herkunftskontexten herausgelöst und in neue Konstellationen versetzt. So entstehen Bildräume, die zugleich vertraut und fremd wirken – wie Erinnerungen an etwas, das nie wirklich existiert hat.
Der Titel „Kosmos der Zeichen“ verweist auf diese offene Ordnung. Ein Kosmos ist traditionell ein geordnetes Ganzes; hier jedoch handelt es sich um eine Ordnung ohne Zentrum, um ein bewegliches Netzwerk von Bedeutungen. Die Zeichen folgen keiner festen Hierarchie. Sie ziehen einander an, stoßen sich ab, bilden vorübergehende Zusammenhänge und lösen sich wieder auf. In diesem Sinn stehen die Arbeiten einer von mir seit langem verfolgten Rhizom-Ästhetik nahe: Bedeutung entsteht nicht aus einem Ursprung, sondern aus Beziehungen, Überlagerungen und Verknüpfungen.
Viele der Bilder erinnern an imaginäre Köpfe, Masken oder hybride Wesen. Sie erscheinen wie Bewohner eines symbolischen Universums, dessen Sprache wir nur teilweise verstehen. Ihre Gesichter sind keine Porträts, sondern Verdichtungen von Zeichen. Augen, Kreise, Spiralen, Pfeile, Sonnenformen, Pflanzenfragmente oder architektonische Elemente werden zu Bausteinen einer visuellen Grammatik. Diese Figuren blicken den Betrachter an und bleiben zugleich rätselhaft. Sie verkörpern die Ambivalenz jeder Bildsprache: Sie zeigen etwas und entziehen sich gleichzeitig einer eindeutigen Interpretation.
Am Ende erscheint die Welt selbst als Collage: als ein unabschließbarer Prozess der Bedeutungsbildung, in dem jedes Zeichen auf andere Zeichen verweist. Die Bilder dieser Serie machen diesen Prozess sichtbar. Sie zeigen nicht die Welt, sondern die Art und Weise, wie Welt in Bildern entsteht. In diesem Sinn ist der „Kosmos der Zeichen“ zugleich eine poetische Bildwelt und eine Reflexion über die Bedingungen unseres Sehens – ein Universum aus Fragmenten, das sich in jedem Blick neu zusammensetzt.
The works in the series “Cosmos of Signs” exist in the space between painting, collage, drawing, and visual archaeology. They are based on the insight that we never experience the world directly, but always through signs, images, symbols, and cultural codes. What we call “reality” appears here as a tapestry of fragments, traces, and visual particles that are constantly recombining.
In the collages and paintings, a wide variety of visual worlds converge: fragments of art history, found photographic images, cartoon-like figures, archaic masks, abstract forms, ornamental structures, and spontaneous painterly gestures. Nothing remains in its original context. The elements are detached from their original contexts and rearranged into new constellations. This gives rise to pictorial spaces that seem both familiar and alien—like memories of something that never really existed.
The title “Cosmos of Signs” refers to this open order. A cosmos is traditionally an ordered whole; here, however, it is an order without a center, a fluid network of meanings. The signs do not follow a fixed hierarchy. They attract and repel one another, form temporary connections, and dissolve again. In this sense, the works are close to a rhizomatic aesthetic I have long pursued: meaning arises not from a single origin, but from relationships, overlaps, and interconnections.
Many of the images are reminiscent of imaginary heads, masks, or hybrid beings. They appear as inhabitants of a symbolic universe whose language we only partially understand. Their faces are not portraits, but condensations of signs. Eyes, circles, spirals, arrows, sun-like forms, plant fragments, or architectural elements become building blocks of a visual grammar. These figures gaze at the viewer while remaining enigmatic. They embody the ambivalence of every visual language: they reveal something while simultaneously eluding unambiguous interpretation.
In the end, the world itself appears as a collage: as an endless process of meaning-making in which every sign refers to other signs. The images in this series make this process visible. They do not depict the world, but rather the way in which the world emerges in images. In this sense, the “cosmos of signs” is both a poetic visual world and a reflection on the conditions of our seeing—a universe of fragments that reassembles itself anew with every glance.