Jede Arbeit meines Werks ist ein abgeschlossenes Objekt und ein Knotenpunkt: zwischen Erfahrung und Imagination, Geschichte und Gegenwart, Mythos und individueller Deutung. In diesem Sinn sind Bildwelten immer auch Versuche, Weltbilder sichtbar zu machen — provisorische Modelle der Wirklichkeit.
Ich bearbeite künstlerisch mythologische, christliche und moderne Weltbilder. Während mythologische und christliche Bildordnungen geschlossene Erzählstrukturen, symbolische Kohärenz und kulturell eingeübte Sinngewebe verweisen, treten moderne Weltbilder in einem anderen Zustand auf: als offene, instabile, fragmentierte Konstruktionen. Sie erscheinen — wie meine Collagen — durch Brüche, Überlagerungen und provisorische Verbindungen geprägt. Moderne Bild- und Denksysteme zerfallen in Einzelteile, aus denen nur noch temporäre Zusammenhänge entstehen. In meinen Collagen wird dieser Zustand sichtbar: Die Welt erscheint nicht als kontinuierliches Gefüge, sondern als Montage von Elementen, deren Beziehungen weder selbstverständlich noch dauerhaft sind.
Gerade darin liegt ein wesentlicher Impuls meines künstlerischen Vorgehens: Das Bild dient nicht dazu, eine zerstörte Einheit nostalgisch zu rekonstruieren, sondern die produktive Kraft der Fragmentierung zu erkunden. Fragmente ermöglichen neue Kombinationen und damit neue Bedeutungen; sie eröffnen Denk- und Imaginationsräume, die sich nicht mehr an vorgegebenen Wahrheiten orientieren, sondern an offenen Möglichkeiten. In der Spannung zwischen mythologischer Geschlossenheit, christlicher Symbolsprache und moderner Fragmentierung entsteht ein Bildkosmos, der zwischen Teilen und Ganzheiten osziliert.
Die hier versammelten Arbeiten bewegen sich in diesem Spannungsfeld. Sie verbinden figürliche Andeutungen mit abstrakten Strukturen, mythologische Motive mit zeitgenössischer Bildsprache, intuitive Setzungen mit gedanklicher Konstruktion. Das Bild dient dabei nicht der Illustration, sondern der Erzeugung von Resonanzräumen — Feldern, in denen sich Bedeutungen verschieben, verdichten oder auflösen können.
In Collagen, Malereien und plastischen Arbeiten begegnen sich Fragmente, Symbole und Formen ohne endgültige Erzählung. Die Verfahren sind oft schichtend, überlagernd, tastend. Dadurch entsteht eine Bildlogik, die weniger auf Eindeutigkeit als auf Ambiguität basiert. Die Vielschichtigkeit des Materials entspricht der Vielschichtigkeit der Wahrnehmung selbst — jener Unschärfe, aus der Weltbilder im Denken und Fühlen hervorgehen.
Mythologische Figuren, christliche Ikonografien und moderne Szenarios erscheinen als Versuchsanordnungen: Sie verdeutlichen, wie narrative Muster, kollektive Imaginationen und persönliche Projektionen ineinandergreifen. Ebenso eröffnen sie fast surreale Bildräume. Dort beginnt die Freiheit des Experiments: das Erfinden von Räumen, in denen Welt nicht abgebildet, sondern hervorgebracht wird.
Meine Website versteht sich daher nicht nur als Archiv, sondern als offenes System von Bildwelten. Die einzelnen Arbeiten stehen nicht isoliert, sondern bilden ein Netzwerk, in dem sich Themen, Motive, Stimmungen und Denkfiguren gegenseitig kommentieren. Wer sich durch diese Bildräume bewegt, begegnet weniger Weltbildern als Prozesse: dem fortlaufenden Versuch, diese durch Form, Farbe, Fragment und Überlagerung neu zu denken.